Mit Claude Haiku 5.5 (claude-haiku-5-5) ist seit dem 7. Oktober die 5.5-Generation komplett. Anthropic nennt es „das günstigste, schnellste und fähigste kleine Modell, das wir je veröffentlicht haben” – gebaut für hochvolumige, kostensensible Arbeit: Zusammenfassungen, Klassifikation, Datenbankabfragen, Kontext-Kompaktierung und als Subagent neben Opus 5.5 und Sonnet 5.5.
Preise: eine neue Größenordnung
| pro Mio. Tokens | Haiku 4.5 | Haiku 5.5 (Prompt ≤ 100K) | Haiku 5.5 (Prompt > 100K) |
|---|---|---|---|
| Input | $1,00 | $0,10 | $0,50 |
| Output | $5,00 | $0,50 | $2,50 |
| Cache-Read | $0,10 | $0,01 | $0,05 |
| Cache-Write (5 min) | $1,25 | $0,125 | $0,625 |
| Batch (Input/Output) | $0,50 / $2,50 | $0,05 / $0,25 | $0,25 / $1,25 |
Gegenüber Haiku 4.5 ist das 90 % günstiger für Prompts bis 100.000 Tokens und 50 % günstiger darüber. Laut Anthropic lagen rund 90 % aller Haiku-4.5-Anfragen in der unteren Stufe; im Schnitt kostet Haiku 5.5 etwa 75 % weniger im Betrieb. Neu ist damit auch eine Preisstaffel nach Prompt-Länge – die anderen 5.5-Modelle rechnen über das gesamte 1M-Fenster einheitlich ab.
Ein Hinweis zum Kleingedruckten: Haiku 5.5 nutzt den aktuellen Tokenizer (seit Opus 4.7) und braucht damit etwas mehr Tokens pro Aufgabe als Haiku 4.5. Die Ersparnisse oben sind laut Anthropic bereits darum bereinigt.
Was neu ist
- 1M Context Window statt 200K bei Haiku 4.5, 128K Max-Output.
- Effort-Stufe – zum ersten Mal in der Haiku-Klasse. Voreinstellung ist
medium; damit lässt sich Kosten gegen Qualität abwägen wie bei den großen Modellen. - Adaptive Thinking, standardmäßig an. Antworten können mit einem
thinking-Block beginnen. - Deutlich fähiger. GDPval-AA (Wissensarbeit): 1620 Elo gegenüber 735 für Haiku 4.5. OSWorld (Computer Use): 72,4 % statt 15,7 %. Terminal-Bench: 39,2 % statt 0,0 %. Zum Vergleich: Sonnet 5.5 liegt bei 1840 Elo bzw. 83,9 % bzw. 70,6 %.
- Kundenberichte: Asana meldet über 30 % weniger Latenz und bis zu 2,5-fach schnellere Agentenzüge; Box 11 Punkte mehr Genauigkeit als Haiku 4.5 bei etwa halber Latenz.
Was sich für Entwickler ändert
Code für Haiku 4.5 kann brechen: Manuelles Extended Thinking mit budget_tokens liefert einen 400-Fehler – es gilt nur noch Adaptive Thinking ({type: "adaptive"} oder weglassen; disabled nur bei Effort high oder darunter). Weil Thinking standardmäßig an ist, steigt der Tokenverbrauch pro Antwort. Anders als bei Opus 5.5 und Sonnet 5.5 gibt es bei Haiku 5.5 keinen serverseitigen Fallback bei Safety-Ablehnungen – stop_reason: "refusal" muss die Anwendung selbst behandeln.
Weitere 400-Fehler, die Haiku-4.5-Code auslösen kann: die Sampling-Parameter temperature, top_p und top_k (seit Claude 4.7 deprecated, Haiku 4.5 akzeptierte sie noch), Assistant-Prefill (eine vorgegebene Antwortanfang-Nachricht), das alte Computer-Use-Tool computer_20250124 (Ersatz: computer_toolset_20260801, auf Bedrock computer_20251124) sowie zurückgesendete Thinking-Blöcke, nachdem system, tools oder frühere Turns verändert wurden. Auf Amazon Bedrock fehlen Structured Outputs für Haiku 5.5 noch. Wer Thinking-Text sehen will, setzt thinking.display auf "summarized"; standardmäßig ist er ausgeblendet. Die Migrationsanleitung listet jeden Punkt mit Fix.
Zum Start sind außerdem Computer Use und Browser Use als Beta-Klassen in den Python- und TypeScript-SDKs dazugekommen: Du leitest eine Klasse ab, implementierst eine Methode pro Tool, und das SDK übernimmt die Schleife, URL- und Dateiregeln sowie deinen Freigabe-Callback.
Verfügbarkeit
Haiku 5.5 ist über die Claude API, Amazon Bedrock, Google Cloud und Microsoft Foundry verfügbar. In Claude Code ist es seit Version 2.1.293 das Haiku-Modell – wer Subagents oder Hintergrundaufgaben auf Haiku setzt, bekommt jetzt automatisch 5.5. Haiku 4.5 bleibt vorerst erhalten; Anthropic garantiert es bis mindestens 15. Oktober 2026 und hat noch kein Abschaltdatum genannt.
Nebenbei: Sonnet 5.5 cacht günstiger
Am selben Tag hat Anthropic die Cache-Reads bei Sonnet 5.5 von $0,20 auf $0,10 pro Mio. Tokens halbiert (5 % statt 10 % des Input-Preises). Bei agentischer Arbeit, wo der Großteil des Kontexts aus dem Cache kommt, sind das laut Anthropic rund 20 % weniger Kosten. Cache-Writes und alle anderen Preise bleiben.
Einordnung
Die 5.5-Generation ist komplett: Opus 5.5 ($4/$20) für komplexe, offene Arbeit, Sonnet 5.5 ($2/$10) für den Alltag, Haiku 5.5 (ab $0,10/$0,50) für Volumen – darüber Fable 5.1 für die schwersten Läufe. Haiku ist dabei nicht mehr nur „das kleine Modell für Klassifikation”: Mit 1M Context, Effort und Computer-Use-Werten über dem alten Sonnet 5 wird es zum ernsthaften Arbeitstier für Subagents und Pipelines. Wer Haiku 4.5 noch im Einsatz hat, sollte den Wechsel planen – aber vorher den höheren Tokenverbrauch pro Antwort gegen den Preis rechnen.