Anthropic hat am 22. September Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Die Kernaussage: Das Modell arbeitet bei den meisten Aufgaben auf dem Niveau von Fable 5.1 – und kostet dabei 40 % weniger als Opus 5 bei typischen Workloads. Zum ersten Mal wird ein Opus-Nachfolger nicht nur besser, sondern auch billiger.
Was sich für Nutzer ändert
- Neues Standardmodell. In Claude Code ist Opus 5.5 seit Version 2.1.280 das Standardmodell auf Pro, Max, Team und Enterprise. In Claude Chat ersetzt es Opus 5 in der Modellwahl; Opus 5 bleibt über die API verfügbar.
- Höhere Limits. Mit dem Release erhöht Anthropic die Fünf-Stunden-Nutzungslimits auf Pro, Max, Team und den sitzbasierten Enterprise-Plänen. Abonnenten bekommen zusätzlich einen Limit-Reset, den sie aufheben und bei Bedarf einlösen können.
- Schneller. Die Ausgabe ist gut 30 % schneller als bei Opus 5, und das Modell braucht für dieselbe Aufgabe im Schnitt weniger Tokens.
- Klarer formuliert. Anthropic hat gezielt an der Kommunikation gearbeitet: Das Wichtigste steht vorn, weniger Fachjargon, sauberere Struktur. Tester berichten, das Modell „schreibe wie sie selbst”.
Preise
| Opus 5 | Opus 5.5 | |
|---|---|---|
| Input | $5 / Mio. Tokens | $4 |
| Output | $25 / Mio. Tokens | $20 |
| Cache-Read | $0,50 | $0,20 (–60 %) |
| Cache-Write (5 min) | $6,25 | $5 |
| Fast Mode | $10 / $50 | $8 / $40 |
Context Window (1M Tokens), Max-Output (128K) und Tokenizer bleiben unverändert. Batch-Anfragen sind wie gewohnt 50 % günstiger.
Leistung in Zahlen
- GDPval-AA v2.1 (Wissensarbeit): 1846 Elo gegenüber 1735 für Fable 5.1 – Opus 5.5 liegt hier vor dem teureren Frontier-Modell.
- Code-Migration: Ein Kunde hat eine Migration über 680.000 Zeilen in weniger als einem Tag abgeschlossen.
- Web-Performance-Optimierung: In 39 von 40 Versuchen erfolgreich, wo Opus 5 nur kleinere Verbesserungen erzielte.
- Im automatisierten Verhaltensaudit erreicht Opus 5.5 die besten Werte aller bisherigen Modelle; Versuche, gesetzte Grenzen zu umgehen, treten 85 % seltener auf als bei den Vorgängern. Auch die Widerstandsfähigkeit gegen Prompt Injection ist gestiegen.
Was sich für Entwickler ändert
Vier Änderungen brechen Code, der heute auf Opus 5 läuft:
- Thinking lässt sich nicht mehr abschalten.
thinking: {type: "disabled"}undbudget_tokensliefern einen 400-Fehler. Die Tiefe steuerst du nur noch überoutput_config.effort– und die Voreinstellung istmedium, eine Stufe unter Opus 5 (high). Wer die Qualität von Opus 5 will, setzteffortexplizit. - Erzwungener Tool-Aufruf ist weg.
tool_choice: {type: "any"}und{type: "tool", name: ...}werden abgelehnt – wie schon bei Fable 5.1. Stattdessen:autoplus eine klare Anweisung im Prompt,strict: truefür schemakonforme Argumente oder Structured Outputs. - Thinking-Blöcke sind an Modell und Konversation gebunden („Preserved Thinking”). Nur Fable 5.1 und Mythos 5.1 können die Denkblöcke von Opus 5.5 lesen; ein Fallback auf Opus 5 oder 4.8 läuft ohne sie weiter. Konten, die seit dem 31. August 2026 angelegt wurden, dürfen frühere Gesprächszüge nicht mehr nachträglich bearbeiten.
- Computer Use nur noch über das Computer-Toolset (
computer_toolset_20260801); das ältere Toolcomputer_20251124wird nicht mehr akzeptiert.
Dazu kommt eine Änderung der Antwortform: Text zwischen Tool-Aufrufen kommt als thinking-Block zurück, der in der Voreinstellung leer ist. Wer Fortschrittsmeldungen anzeigt, setzt display: "updates".
Safeguards
Opus 5.5 ist das erste Opus-Modell, das mit den Cyber- und Biologie-Schutzmechanismen von Fable 5.1 startet. Markierte Anfragen fallen in Claude Chat, Claude Code und über die API auf Opus 4.8 zurück. Für neue API-Konten ist außerdem der Anti-Distillations-Schutz „Preserved Thinking” standardmäßig aktiv.
Einordnung
Bei Opus 5 lautete die Botschaft „Frontier-Niveau zum halben Preis”. Opus 5.5 setzt eine Stufe darauf: gleiches Niveau wie das Frontier-Modell, aber ein Fünftel von dessen Preis. Für die meisten Nutzer ändert sich damit die Faustregel: Wer Opus bisher nur für Spitzenaufgaben gebucht hat, kann es jetzt ohne Kostenschmerz als Standard fahren. Fable 5.1 bleibt die Wahl für die längsten und schwersten agentischen Läufe.
Anthropic kündigt für die kommenden Wochen außerdem Sonnet 5.5 und Haiku 5.5 an – das Ende der 4.5-Reihe ist damit absehbar.