Modell28. September 2026

Claude Sonnet 5.5 – 30 % schneller, bis zu 30 % günstiger pro Aufgabe

Sonnet 5.5 löst Sonnet 5 ab: gleicher Preis ($2/$10), aber über 30 % schnellere Ausgabe und weniger Tokens pro Aufgabe. In Wissensarbeit liegt es fast gleichauf mit Opus 5.5. Für Entwickler bringt es fünf Breaking Changes – und Sonnet 4.5 bekommt ein Abschaltdatum.

Stable Aktualisiert: 28. September 2026

Anthropic hat am 28. September Claude Sonnet 5.5 veröffentlicht – das zweite Modell der 5.5-Generation nach Opus 5.5. Die Botschaft: ein klares Upgrade gegenüber Sonnet 5, über 30 % schneller in der Ausgabe und bis zu 30 % günstiger pro Aufgabe, weil das Modell für dieselbe Arbeit weniger Tokens braucht. Der Listenpreis bleibt bei $2 / $10 pro Mio. Tokens.

Was sich für Nutzer ändert

  • Schnellstes Sonnet bisher. Die Ausgabe ist gut 30 % schneller als bei Sonnet 5. Zusammen mit dem geringeren Tokenverbrauch heißt das: Dieselbe Aufgabe ist früher fertig und kostet weniger.
  • Effort-Stufe medium in den Claude-Apps und in Claude Code, high über die API. Anthropic positioniert Sonnet 5.5 für gut abgegrenzte Alltagsaufgaben, Bugfixes und saubere Dokumente, Slides und Tabellen – Opus 5.5 bleibt für komplexe, offene Arbeit „klar stärker”.
  • Weniger Umwege. Das Modell bündelt Tool-Aufrufe häufiger, braucht weniger Schritte und verzichtet öfter auf überflüssige Websuchen. Slack berichtet rund 14 % weniger Output-Tokens, Zendesk 20 % schnellere Ticketbearbeitung, Box 2,4-fach schnellere Verarbeitung bei 12 % weniger Tokens.
  • Klarer formuliert als die Vorgängergeneration – Tester nennen es einen besseren Kollaborationspartner.

Leistung in Zahlen

BenchmarkSonnet 5Sonnet 5.5Opus 5.5
Terminal-Bench 4.010,3 %70,6 %66,4 % (xhigh)
GDPval-AA v2.1 (Wissensarbeit, Elo)144918441846
OSWorld 2.1 (Computer Use)57,0 %80,1 %81,8 %
Humanity’s Last Exam (mit Tools)54,9 %64,5 %67,7 %
Chartography (Diagramme lesen)15,6 %61,6 %64,4 %

Auffällig: In Wissensarbeit (GDPval) liegt Sonnet 5.5 nur zwei Elo-Punkte hinter Opus 5.5. Und bei Effort low oder medium schlägt es auf mehreren Benchmarks die Bestwerte von Sonnet 5 – zu etwa einem Zehntel der Kosten pro Aufgabe.

Was sich für Entwickler ändert

Fünf Änderungen brechen Code, der heute auf Sonnet 5 läuft:

  1. Thinking lässt sich nicht mehr per disabled abschalten. Wer vorab ohne Denkprozess arbeiten will, setzt thinking: {type: "between_tools"} – nur bei Effort high oder darunter, ohne weitere Felder.
  2. Erzwungener Tool-Aufruf ist weg. tool_choice any und tool liefern einen 400-Fehler, wie schon bei Fable 5.1 und Opus 5.5. Ersatz: auto plus Anweisung im Prompt, strict: true oder Structured Outputs.
  3. Thinking-Blöcke sind an Modell, Konversation und Konto gebunden. Neu ist die Kontobindung: Denkblöcke von Sonnet 5.5 funktionieren nur in dem Konto, das sie erzeugt hat – aus anderen Konten werden sie stillschweigend entfernt. In Claude Code betrifft das Kontowechsel mitten in einer Session.
  4. Computer Use nur noch über das Computer-Toolset (computer_toolset_20260801) auf der Claude API und Google Cloud.
  5. Der Advisor-Mechanismus lehnt Opus 4.8, Opus 4.7 und Sonnet 5 als Berater ab.

Dazu kommt: Die Effort-Stufen sind neu kalibriert. Anthropic empfiehlt, mit medium für agentisches Coding und low für Chat zu starten und von dort zu messen. Text zwischen Tool-Aufrufen kommt als thinking-Block zurück (in der Voreinstellung leer; display: "updates" zeigt Fortschrittsmeldungen).

Safeguards

Sonnet 5.5 startet mit den Cyber-Schutzmechanismen von Opus 5.5 – die Sonnet 5 nicht hatte. Risikoreichere Cyber-Aufgaben fallen sichtbar auf Sonnet 5 zurück; normales Bugfixing ist nicht betroffen. Die Biologie-Safeguards entsprechen Sonnet 5. Neu sind außerdem Anti-Distillations-Klassifikatoren und das erweiterte Preserved Thinking.

Sonnet 4.5 bekommt ein Enddatum

Zwei Tage nach dem Release hat Anthropic Sonnet 4.5 (claude-sonnet-4-5-20250929) als deprecated markiert: Abschaltung am 30. November 2026, empfohlener Ersatz ist Sonnet 5.5. Wer noch Sonnet 4.5 in Automatisierungen nutzt, sollte jetzt migrieren – welche Keys welches Modell nutzen, zeigt der Usage-Export in der Console.

Einordnung

Mit Opus 5.5 ($4/$20) und Sonnet 5.5 ($2/$10) liegt der Preisabstand zwischen Allrounder und Tiefdenker nur noch beim Faktor zwei – bei Benchmarks, die enger beieinander liegen als je zuvor. Die Faustregel bleibt: Starte mit Sonnet. Neu ist, dass Sonnet 5.5 bei niedrigerem Effort so viel abdeckt, dass der Wechsel zu Opus eine bewusste Entscheidung für komplexe, offene Aufgaben wird – nicht mehr die Standardreaktion auf „geht noch besser”. Haiku 5.5 folgt in den kommenden Wochen.

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